„Wir sind ganz junge Bäumchen“ – Theaterprojekt (Teil 2)

Max Wörner

24. November 2025

Nicht lange her, Anfang der Sommerferien, waren 5 Schüler*innen aus unserer Erinnerungs-AG in Offenburg, um in einer internationalen Gruppe von ca. 30 Schülerinnen aus dem Saarland (Lebach), Rheinland-Pfalz (Hermeskeil), Baden Württemberg (Offenburg) und Frankreich (Saint-Germain-en-Laye) ein 40-minütiges Theaterstück zu den Deportationen nach Gurs, welche im 2. Weltkrieg stattfanden, einzuüben und teilweise zu schreiben.
Wenn ihr eine genaue Information der Anfänge dieses Projektes und unserer damaligen Zeit in Offenburg haben wollt, schaut euch gerne unseren ersten Beitrag zu diesem Thema vom 24.September 2025 an! Er wurde von Tamia Kamu und Lilly Alt geschrieben und bietet einen wunderbaren Überblick über diese erste Woche.
Ich bin Max und war, als Nazi-Offizier, auch Teil des Theaterstückes und werde euch daher im Folgenden eine berichten über unser zweiten Treffen und den Aufführungen in Saarbrücken, Offenburg und Paris.

Angefangen hat unsere Reise am 22.Oktober dieses Jahr. An diesem Tag haben wir uns zur frühen Mittagszeit vor dem Schloss in Saarbrücken getroffen und uns alle nach 3 Monaten endlich mal wieder gesehen. Das Wiedersehen war für uns wirklich etwas Besonderes, denn, wie man im Verlauf dieses Artikels noch merken wird, sind wir alle zu einer großen Gruppe zusammen gewachsen, in der sich eigentlich jede/r mit jeder/m versteht und auch keine sinnlosen Unterscheidungen zwischen Deutschen und Franzosen oder Ähnlichem gemacht werden. Nach dem herzlichen Wiedersehen sind wir auch sehr schnell in den Keller des Schlosses, da wir noch alles vorbereiten mussten für unseren Auftritt dort am selben Abend. Nicht lange, nachdem wir alles runter getragen und uns unsere Kostüme angezogen hatten, ging es dann schon mit dem Proben los. Denn eine Sache müsst ihr Wissen: Außer durch private Treffen der einzelnen Gruppen aus den (Bundes)Ländern, konnten wir seit Juli das Theaterstück kein einziges Mal mehr üben. Das heißt, wir mussten innerhalb weniger Durchläufe wieder auf den Stand von vor 3 Monaten kommen, um dann, im Rahmen einer Gedenkstunde zu den Deportationen, im Schlosskeller das Stück vor Publikum aufführen zu können.
Zu unserer aller Erleichterung verlief das Stück auch wirklich wunderbar an diesem Abend! Auch das Publikum, welches den Raum vollständig füllte, war unfassbar berührt und beeindruckt von dem Stück, was dann auch zu sehr vielen Glückwünschen und positivem Feedback nach dem Stück führte. „Es war grandios, einfach unfassbar toll, was ihr in so kurzes Zeit auf die Beine gestellt habt, ich bin so stolz auf euch“, so das Feedback unserer AG-Betreuerin, Frau Müller-Warken.
Nachdem wir dann alles zusammen gepackt hatten, und alle Besucher*innen aus dem Raum waren, ging es aber direkt in den Reisebus mit allen Beteiligten, mit dem wir dann auf direktem Weg noch am selben Abend nach Offenburg fuhren.
Den nächsten Tag, den 23. Oktober, haben wir dann in Offenburg genutzt um das Stück noch weiter zu verfeinern und lästige Fehler auszumerzen. Sonst hatten wir aber an diesem Tag auch noch sehr viel Freizeit, in der wir in Kleingruppen Verschiedenstes in Offenburg unternommen haben.
Am darauffolgenden 24. Oktober war dann abends schon unsere zweite Aufführung des Stückes, davor jedoch konnten wir noch mit der Nachfahrin einer der Deportierten sprechen. Diese Nachfahrin war dann auch als Gast abends dabei und hat sich das Stück angeschaut. Sie war sowohl während des Gespräches mit uns, als auch nach dem Stück sehr gespannt darauf zu erfahren, wie wir diese Geschichte wahrnehmen und was uns schwer fiel und belastete. Das, kombiniert mit einer
wiedermal vollkommen gefüllten Halle, in der wir aufführten, führte bei uns allen natürlich abends (mal wieder) zu einer riesigen Aufregung. Die Nervosität ging aber bei allen ganz schnell zurück, als dann auch diese Aufführung reibungslos von statten ging.
Nach der Aufführung und einer kleinen Pause, in der wir auch mit dem begeistertem Publikum reden konnten, ging es dann zum letzten Programmpunkt des Abends, und das war ein Podiumsgespräch mit uns über die Entstehung und Aufführung des Stückes, welches jeweils ein bis zwei Personen aus jedem (Bundes)Land bestritten haben.
Als dann auch das abgeschlossen war, haben wir zusammengepackt und sind in unsere (Gast)Familien zurückgefahren, um uns für die Abreise nach Frankreich am nächsten Morgen vorzubereiten.

Unser letzter Aufenthalt, und sicherlich auch einer der Höhepunkte, war die Aufführung in Paris im Musée d’art et d’histoire du Judaisme. Auch diese Aufführung klappte wirklich gut, das Publikum war begeistert. Am letzten Tag unseres gemeinsamen „Aufführungsmarathons“ hatten wir dann die Möglichkeit, in Gruppen Paris zu erkunden. Dies war wunderbar und bot nochmals Gelegenheit, uns in aller Ruhe auszuatuschen und zu unterhalten.

„Wir sind ganz junge Bäumchen. 85 Jahre Deportation nach Gurs – ein Theaterprojekt“ war eine großartige und prägende Erfahrung. Wir hoffen sehr, dass der Kontakt zwischen uns allen bestehen bleibt und dass wir uns ganz bald, vielleicht für ein ähnliches Projekt, nochmals sehen. Grenzüberschreitende Begegnung – wir haben sie gelebt und sehr genossen.

Bildnachweise: Foto © Armin Krüger

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