Anne Frank – Leben im Nationalsozialismus

Emma Warken, Melissa Popp

4. Dezember 2025

Vor rund 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg – ein grausamer, unvorstellbarer Krieg. Ohne Zeitzeugen könnten wir uns heute kaum vorstellen, wie sehr jüdische Menschen damals leiden mussten und wie viel Angst sie um ihr Leben hatten. Eine der bekanntesten Zeitzeuginnen ist Anneliese Marie Frank, bekannt als Anne Frank, geboren am 12. Juni 1929. Sie war eine deutsche Jüdin und fiel kurz vor Kriegsende dem Holocaust zum Opfer.

Anne war ein vielseitig interessiertes, extrovertiertes, impulsives und lebhaftes Mädchen, das vor der judenfeindlichen Politik der Nationalsozialisten unbeschwert mit ihrer Familie und ihren Freunden in Frankfurt am Main lebte. 1933 erhielt Otto Frank, Annes Vater, das Angebot, eine Niederlassung der Firma Opekta in Amsterdam aufzubauen. Dort hatte er bereits Geschäfte arrangiert und alles für die Ankunft seiner Familie – seiner Frau Edith Frank und den beiden Töchtern Margot und Anne – vorbereitet. Die Familie reiste nach und nach in die Niederlande, denn das Risiko, aufzufallen, war zu groß. In den Niederlanden musste Anne eine spezielle Schule für jüdische Kinder besuchen. Außerdem mussten Juden den sogenannten Judenstern auf ihrer Kleidung tragen. Daran erkennt man, dass der Antisemitismus auch in den Niederlanden vorhanden war. Am 5. Juli 1942 erhielt Margot, Annes Schwester, einen Brief, in dem stand, dass sie sich in Deutschland zur „Arbeit“ melden müsse. Den Eltern war sofort klar, dass dies nichts Gutes zu bedeuten hatte, und so beschlossen sie, sich noch am selben Tag zu verstecken – in dem Hinterhaus der Firma Opekta, das Otto Frank mit Helfern vorbereitet hatte. Während des Umzugs vom Zuhause in das Versteck sowie im gesamten Leben im Hinterhaus herrschte panische Todesangst.

Besonders spürbar wird diese Angst in Anne Franks Tagebucheinträgen, durch die wir heute überhaupt vom Leben der Familie im Versteck erfahren. In dem Tagebuch, das Anne Frank zu ihrem 13. Geburtstag geschenkt bekommen hatte, beschreibt sie ihr gesamtes Leben im Hinterhaus. Nach kurzer Zeit kamen noch vier weitere Personen dazu. Insgesamt lebten acht Menschen mehr als zwei Jahre lang in dem kleinen, engen und unbequemen Versteck. Sie durften nicht nach draußen gehen, nicht aus dem Fenster schauen und die Fenster nicht einmal öffnen, denn das Risiko, entdeckt zu werden, war zu groß. Es gab kaum genug Essen für alle, und häufig war das Essen auch verdorben. Dies führte dazu, dass eine Person krank wurde und andere sich ansteckten – Abstandhalten oder Lüften war kaum möglich. Es war ein ständiger Kreislauf. Zudem war das Abwassersystem im Hinterhaus defekt, sodass die Bewohner sich nachts aus dem Versteck schleichen mussten, um zur Toilette zu gelangen. Es herrschte also ständige Angst – vor allem die Angst, entdeckt zu werden. Dazu kamen häufige Streitereien, denn es gab keinerlei Privatsphäre.
So lebte Anne Frank mit ihrer Familie und den anderen Untergetauchten bis August 1944 im Hinterhaus, bis sie verraten, von Polizisten entdeckt und nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurden. Anne und Margot Frank starben infolge von Entkräftung und Typhus im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Das Tagebuch der Anne Frank ist ein Dokument von unschätzbarem Wert. Es zeigt uns, unter welchen unfassbaren Bedingungen Anne Frank und ihre Familie leben mussten und welchen Entbehrungen sie ausgeliefert waren.

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