Anti-asiatischer Rassismus, was ist das und wo liegen seine Wurzeln?
Maya Kläs, Marissa Folz

29. April 2026

Im Gespräch über Rassismus wird wenig über den Anti-Asiatismus gesprochen, dabei ist er ein großes Problem. Dieses zeigt sich in „harmlosen“ Witzen, Stereotypen oder plötzlichen Hasswellen.

Der Rassismus gegen Asiaten gibt es schon lange. Bereits im 19. Jahrhundert beeinflussten Begriffe wie „Gelbe Gefahr“ die öffentliche Meinung. Asiatische Menschen wurden als gefährliche Masse dargestellt – mal als kriegerisch, mal als hinterhältig oder unterwürfig. In Nordamerika führte dies zu Regelungen wie dem Chinese Exclusion Act, der chinesischen Menschen die Einwanderung zunächst nur gegen einen hohen Preis und später gar nicht mehr erlaubte. Auch in Europa und Deutschland gab es ähnliche Vorurteile, die sich in der Kolonialzeit und während der Weltkriege verstärkten. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurden in Nordamerika hunderttausende Menschen japanischer Herkunft als „Enemy Aliens“ bezeichnet und in Internierungslager gebracht – nur wegen ihrer Herkunft.

Die Covid-Pandemie zeigte, wie schnell unterschwelliger Rassismus hochkochen kann. Auf einmal war von „China-Virus“ oder „Kung Flu“ die Rede.

In den USA stiegen die Hassverbrechen gegen Asiaten in den Jahren 2020/2021 um über 300 Prozent. Auch in Deutschland und Europa gab es ähnliche Berichte: Spucken, Beschimpfungen und Übergriffe auf der Straße. „Geh zurück nach China!“ – ein Satz, den viele asiatischstämmige Menschen häufig hören, ganz egal, wo auf dem riesigen Kontinent Asien ihre Wurzeln liegen.

Ein großes Problem sind dabei Mikroaggressionen. Dabei handelt es sich oft um Klischees, die oberflächlich „nett“ oder „witzig“ klingen sollen, aber die Individualität einer Person durch Stereotype ignorieren. Das beeinflusst viele Betroffene stark. Oft versuchen sie, „unsichtbar“ zu werden, ihre Kultur zu verstecken oder sich stark anzupassen. Studien zeigen bei asiatischstämmigen Menschen höhere Raten von Angststörungen und Depressionen – oft gerade, weil dieser Rassismus so „leise“ ist, dass er kaum wahrgenommen wird. „Es war doch nur ein Witz“, heißt es dann. Aber Worte hinterlassen Narben. Online verbreiten sich solche Witze und Stereotype rasend schnell als Memes und in Kommentaren.

Eine Freundin von mir erzählte, dass sie sich lange Zeit nicht getraut hatte, in der Schule zu essen, weil ihre Freunde sich über das Essen lustig machten, das ihre Eltern ihr mitgaben, und es „komisch“ fanden.

Rassismus ist nie nur ein Problem der betroffenen Gruppe. Er betrifft uns alle, weil er unsere Gesellschaft spaltet. Er basiert auf der gleichen Logik wie jeder andere Rassismus: Menschen nach Äußerlichkeiten in Schubladen zu stecken und ihnen Eigenschaften zuzuschreiben, die nichts mit ihrer Individualität zu tun haben.

Wir glauben fest daran, dass jeder Mensch das gleiche Recht auf Respekt, Sicherheit und Chancen hat – unabhängig von Hautfarbe, Augenform oder Herkunft.

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