Am 22. und 23. Oktober 1940 wurden mehr als 6500 Jüdinnen und Juden aus Baden, dem Saargebiet – so die damalige Bezeichnung – und der Pfalz in das Internierungslager Gurs, in Südfrankreich, deportiert. Anlässlich des 85. Gedenktjahres erinnerte die Theaterakademie Offenburg mit einem länderübergreifenden, deutsch-französischen Schülerprojekt an das Elend der deportierten Menschen. An diesem Projekt, welches auf Initiative des Kuratoriums „Gedenken an die nach Frankreich deportierten Juden aus Baden und der ehemaligen Saarpfalz“““ entstanden ist, wirken Schüler*innen aus Rheinland-Pfalz (Gymnasium Hermeskeil), Baden-Württemberg (Theaterakademie Offenburg), Frankreich (Lycée International Saint-Germain-en-Laye, Paris) und dem Saarland (Geschwister-Scholl-Gymnasium Lebach) mit.
Nach Auftritten in Offenburg, Paris und Saarbrücken fanden am 9. Mai zwei Auftritte in der Gedenkstätte SS-Sonderlager in Hinzert statt. Besonders faszinierend finde ich, wie es den Schüler*innen gelang, neben der Darstellung des Leides, welches omnipräsent war im Lager Gurs, auch darzustellen, dass Musik und Kunst eine Rolle gespielt haben. Die inhaftierten Menschen bewahrten sich mit Hilfe der Kunst und der Musik einen Funken Hoffnung.
Nie hätte ich mir vorstellen können, dass binnen einer Woche Probezeit solch ein großartiges Stück entstehen kann. Neben den Schüler*innen gebührt auch Herr Barone, dem Leiter der Jungen Theaterakademie, ein großes Lob. Er hat es geschafft, aus einer Gruppe von völlig verschiedenen jungen Menschen ein Team zu schaffen.
Hier hat sich eine Schülergruppe gefunden und im Laufe der Proben entwickelt, die einfach toll mit und untereinander harmoniert. Freundschaften sind entstanden und auch außerhalb der offiziellen Proben treffen sich die Schüler*innen in ihrer Freizeit – für mich als betreuende Lehrkraft eigentlich das Schönste, das bei einem solchen Projekt passieren kann. Nicht nur die Tatsache, dass die Schüler*innen weit über sich hinausgewachsen sind, sondern vor allem der Aspekt, dass soziales Miteinander so stark verankert wird, macht dieses Projekt so einmalig. Einfach ein großartiges Projekt. Ich bin unfassbar dankbar, ein Teil davon (gewesen) zu sein. Es bleibt die Hoffnung, dass das Projekt in irgendeiner Art weitergehen kann und wird. Ich denke, so kann Erinnerungskultur gelebt werden – lasst uns weitere neue Formen der Erinnerungskultur schaffen.

