Die Wanderausstellung „Spurlos verschwunden? Auf der Suche nach polnischen Lebenszeichen aus dem Zweiten Weltkrieg“ des Deutschen Polen-Instituts widmet sich den Schicksalen von rund drei Millionen Menschen aus Polen, die sich während des Zweiten Weltkriegs im Deutschen Reich aufhielten (darunter viele Zwangsarbeiter im Saarland und in Rheinland-Pfalz).
In dieser Ausstellung begeben wir uns auf die Suche nach den Menschen, deren Geschichten auf diese Weise sichtbar gemacht werden sollen. Sie kamen als Zwangsarbeiter/‑innen, Kriegsgefangene, waren Befreite aus den Konzentrationslagern, darunter polnische Jüdinnen und Juden, mancherorts auch Angehörige der polnischen Streitkräfte. Manchmal findet sich dort, wo sie gelebt haben, ein Zeichen – in Form einer Gedenktafel oder Ähnlichem –, manchmal kennen wir ihre Geschichte nur aus Erzählungen, Berichten oder Bildern. Niemals aber sind diese Menschen, so unterschiedlich ihr Schicksal im Nationalsozialismus auch verlaufen ist, spurlos verschwunden, zumindest so lange nicht, wie wir uns ihres Schicksals annehmen und es nicht vergessen.
Initiert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., wird gemeinsam mit den beiden Gymnasien, dem Johannes-Kepler-Gymnasium und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium, die Wanderausstellung „Spurlos verschwunden“, erarbeitet vom Deutschen Polen–Institut in Darmstadt, präsentiert. Aufgebaut ist die Ausstellung im Johannes-Kepler-Gymnasium, unmittelbar an dem Ort, an dem nach Ende des Zweiten Weltkriegs ehemalige polnische Zwangsarbeiter mehr als zwei Jahre als „Displaced Persons“ leben mussten. Noch heute ist der Zwangsarbeiterkeller erhalten und kann im Zuge der Ausstellung ebenfalls besichtigt werden.

Im September kann die Ausstellung von Schüler/‑innen aller Schulen im Raum Lebach im Kepler-Gymnasium besucht werden. Führungen gibt es durch Peer-Guides vom Geschwister-Scholl-Gymnasium, ausgebildete Schüler und Schülerinnen der AG Erinnerungskultur und vom Johannes-Kepler-Gymnasium, interessierte Schüler und Schülerinnen der Oberstufe. Besucherklassen können sich informieren, erworbenes Wissen anwenden, reflektieren und teilen. Gerade von diesem Peer-Guides-Konzept versprechen wir uns einen besseren Zugang der Besucherklassen zu dem Thema. Lernen von und durch Gleichaltrige ist ein sehr bewährtes Konzept – und funktioniert tatsächlich hervorragend.
Damit sie einen Eindruck von der Ausstellung erhalten, möchte ich exemplarisch eine Tafel vorstellen:
Gewählt habe ich diejenige, die sich mit dem Lager für die sogenannten „Displaced Persons“ beschäftigt. Unter einer „Displaced Person“ versteht man eine Person, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs außerhalb ihrer Heimat befindet und auch nicht dorthin zurückkehren kann.
Im März des Jahres 1945 wurde das Saarland von US-Truppen befreit und damit auch die Zwangsarbeiter/‑innen, die Kriegsgefangenen und die Häftlinge aus Konzentrationslagern. Kurze Zeit später wurden ca. 3000 Personen aus der Sowjetunion, aus Polen, Italien und Belgien nach Lebach in die Kaserne gebracht. Es entstand hier ein „Displaced-Person-Camp“, es wurde von der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen geleitet. Zunächst gab es viele Auseinandersetzungen zwischen diesen Menschen und der einheimischen Bevölkerung, die häufig aus Vorurteilen heraus entstanden. Allmählich erholte sich die Lage. Das Leben im Lager in Lebach spielte sich häufig in eigens geschaffenen Gemeinschaftseinrichtungen ab.

„Spurlos verschwunden?“ – Menschen leben weiter durch Erinnerungen, die wir an sie haben, durch Erzählungen und Berichte anderer oder auch durch historische Orte, an denen sie gewohnt, gelebt und gelitten haben. Machen wir uns auf die Suche, Spuren aufzudecken.
