Dieser Artikel wurde von Hildegard Bayer verfasst. Frau Bayer ist eine ehemalige Lehrerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums und sehr engagiert im Bereich der Erinnerungsarbeit. Sie setzte sich vor allem für die Verlegung der Stolpersteine in Lebach ein. In ihrem Beitrag berichtet sie von der Familie Oppenheimer, der ein Stolperstein gewidmet ist.


Der Sohn von Heinz Oppenheimer namens Joram hat uns im Juni 2017 in Lebach besucht. Heinz hat als Einziger die Zeit des Nationalsozialismus überlebt. Seine Eltern und seine Schwester Margot sind wahrscheinlich 1942/43 bei der Deportation nach Theresienstadt oder noch weiter nach Osten ums Leben gekommen.
Alfred Oppenheimer wurde am 02.07.1883 in Iserlohn geboren. Er war der Sohn von Jacob Oppenheimer und Caroline geb. Rosenthal. Seine Frau Amalie Oppenheimer geb. Stein kam am 30.12.1883 in Düren zur Welt. Ihr Vater hieß Salomon Stein, die Mutter Helene, geb. Cahn. Die Hochzeit fand am 27.09.1912 in Düren statt. Der Sohn Heinz wurde am 17.11.1913 in Lebach geboren. Sein zweiter Name war Jacob. Tochter Margot Frieda Helene erblickte am 22.07.1920 auch in Lebach das Licht der Welt.

Das Kaufhaus wurde unter dem Namen S. Neumark am 03.10.1912 angemeldet und am 10.10.1912 eröffnet. Alfred Oppenheimer war Geschäftsführer und das Hauptgeschäft befand sich in Püttlingen.
Manufakturwaren und Schuhe wurden verkauft. Ab dem 01.07.1927 leitete Alfred Oppenheimer das Geschäft als Inhaber. Am 31.05.1937 ist das Konfektionsgeschäft von ihm abgemeldet worden.

Herr Oppenheimer verlor im 1. Weltkrieg einen Unterschenkel.

Er war vom 22.12.1921 bis in das Jahr 1923 Schriftführer im Verkehrsverein und auch Mitglied im Gesangverein. Seine Frau war sozial tätig. Sie und Emma Stern spendeten Lebensmittel und Geld für die Armen und Benachteiligten in Lebach. Die beiden Familien waren wohlhabend und angesehen. Familie Oppenheimer baute ihr Jugendstilhaus in der Saarbrücker Straße ungefähr 1924/25.
Das Haus wurde 2007 abgerissen, als der Kreisel gebaut wurde.

Margot Oppenheimer wuchs als Kind unbekümmert auf. Wir haben zwei Fotos von Elfriede Hassel geb. Matthies (1921-2016) aus dem Jahr 1928, als sie und Margot an der Fastnacht teilgenommen hatten. Sie war damals sechs Jahre alt und verkleidet als Rotkäppchen. Margot war ein Jahr älter und als Zigeunerin verkleidet. Auf dem einen Foto steht der Pflegevater von Elfriede, Jakob Altmeyer,(1874-1935) hinter ihr. Er war 1928 Karnevalspräsident. Hinter Margot steht Will Bauer, der in dem gleichen Jahr Elferratspräident war (Erna Herrmann, geb. Simon).
Auf dem zweiten Foto befindet sich Herr Altmeyer in der dritten Reihe, ziemlich in der Mitte und er hat Elfriede auf dem Arm. Vor ihm befindet sich Margot (Klaus Altmeyer).

Bild aus dem Jahr 1928
Bild aus dem Jahr 1928

Viele Lebacher Mütter erzählen ihren Kindern von Familie Oppenheimer, so z.B., dass Herr Oppenheimer mit Herrn Wieder, dem Großvater von Frau Giese, über den „neuen Weg“ spazieren gegangen sei. Er habe Kindern, z.B. Hilde Bayer, geb. Herrmanny, ein Geldstück für Eis oder Bonbons gegeben.
Im Jahre 1932 haben wir ein Foto von der Geburtstagsfeier Margots. „Familie Oppenheimer hatte eine Eismaschine. So gab es am Geburtstag für die Kinder selbst zubereitetes Eis, eine große Besonderheit in der damaligen Zeit“ (Frau Ehret, geb. Söll).

Elfriede Matties hatte ein Poesiealbum, in das sich Margot Oppenheimer mehrfach eintrug. So steht z.B. am 6.4.1932 im Poesiealbum: Vertraue auf Gott, Verlier nie den Mut, Hab Sonne im Herzen, und alles wird gut.

Geburtstag von Margot Oppenheimer 1932; Foto: Sammlung Elfriede Hassel, geb.Matthies

Frau Adele Ehret geb. Söll berichtet auch, dass Margot oft mit den Freundinnen zum Schwimmen in das Turnerbad an der Theel gegangen war.
Das Foto vom Geburtstag am 22.Juli 1934 zeugt auch noch von einer ungetrübten Feier. Die Mädchen tragen fast alle Hüte und Elfriede Matthies z.B. hat einen Stock vor sich.

Geburtstag von Margot Oppenheimer 1934; Foto: Sammlung Elfriede Hassel, geb.Matthies

Am 21.Juli 1935, einem Sonntag, traf sich Margot nur noch mit den zwei besten Freundinnen, Elfriede Matthies und Hilde Söll, zum Geburtstag, der am folgenden Tag stattfand.

Geburtstag von Margot Oppenheimer 1935; Foto: Sammlung Elfriede Hassel, geb.Matthies

1935 bis 1942/43 ging es für die jüdischen Mitbürger immer mehr bergab. Anfang der Dreißiger Jahre wurde das Geschäft von Familie Oppenheimer verkleinert und an den Bahnhof verlegt. Kunden, die ab 1935 in das Geschäft kamen, wurden fotographiert und bedroht. Heinz Oppenheimer heuerte auf einem Schiff in Triest an und gelangte nach dem damaligen Palästina. Seine Eltern und seine Schwester lebten jetzt in der Jean-Claude-Mühle in zwei Zimmern auf einem Betonboden. In der Dunkelheit kamen Lebacher Bürger, z.B. Frau Tilly Endres, und brachten Essen.
1937 verließ Familie Oppenheimer die Mühle und zog nach Saarbrücken.
Zur Zeit der Reichspogromnacht am 09.11.1938 wurde Herr Oppenheimer geschont, da er nur noch einen Unterschenkel hatte.
Am 1. September 1939 musste Saarbrücken wie auch andere Städte im Saartal geräumt werden. Familie Oppenheimer ging über Mannheim nach Düren. Von dort aus wurden sie 1942 nach Theresienstadt und weiter nach Osten deportiert. Margot Oppenheimer wurde im September 1942 von einem Soldaten in Lemberg (Lwow) gesehen. Sie war stark abgemagert. Sie verabredeten sich für einen weiteren Termin, aber sie kam nicht.

Quelle Titelbild: Robert Klein

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