Wohin man auch geht, überall findet man sie: an Laternenmasten, Ortsschildern, Bahnhaltestellen, Gebäuden und Werbeplakaten. Aufkleber gibt es in jedem Ort, jeder Stadt. Kleine Klebebildchen von geringer Relevanz, die man oft gar nicht einmal wahrnimmt.
Doch abgesehen von dem Fakt, dass sie meistens verbotenerweise auf öffentlichem oder privatem Eigentum platziert sind, kann man einige als Gefahr für unsere Demokratie betrachten.
Manchmal Kunst, manchmal Werbung, manchmal Identifikation mit einem Verein – oft einfach klarer Hass und reine Hetze, Rassismus, Sexismus, Homophobie, die Liste hat kein Ende.
Nicht nur stimmen mich diese kleinen Bilder der Zwietracht traurig, wütend; in ihrer Häufigkeit bringen sie eine unleugbare Bedrohlichkeit mit sich für unsere Demokratie. Denn: es gibt Personen, und davon nicht wenige, die die auf den Stickern propagierte „Meinung“ teilen, ja, so fest davon überzeugt sind, dass sie auch ihre Mitmenschen bekehren, belehren und beeinflussen wollen.
Und auch wenn man sich oft nicht direkt von Aufklebebildern manipulieren lässt, so lenkt ihre Omnipräsenz den Fokus unseres Unterbewusstseins auf sich und die Aussagen bleiben hängen wie giftige Kletten.

Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass getarnt in bunten Schildern, deren schreckliche Aussage oft auf den ersten, oberflächlichen Blick gar nicht wahrgenommen wird, einen Abgrund aus Menschenfeindlichkeit zeigt.
Stellen Sie sich vor, Sie müssten vor Krieg und politischer Verfolgung fliehen, ihr Haus liegt in Trümmern, ihr/-e beste/-r FreundIn ist im Schlauchboot auf dem Meer gekentert und ertrunken, Sie selbst haben Ihr gesamtes Geld geopfert und Ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um in Europa Hilfe zu erhalten und das Einzige, was Sie spüren, ist Hass und Ausgrenzung.

Auch Homophobie, von der man eigentlich annehmen könnte, sie hätte wie das Patriarchat lange genug existiert, wird über Aufkleber propagiert. Vor allem rechtsextremes oder religiös-konservatives Gedankengut ist voll mit dieser Form der Intoleranz, der man eigentlich nichts anderes entgegenbringen kann als Intoleranz.

Auch der Hass, der sich gegen spezielle Personen richtet, ist atemberaubend – und „Fuck you Greta“ Sticker sind so salonfähig, dass man im nahen Umfeld immer jemanden sieht, der diese Anschuldigung über seinem Auspuff platziert hat.
Als ob die Schwedin sich den Klimawandel persönlich ausgedacht hätte, um dem/der leidenschaftlichen GrillmeisterIn von nebenan das Steak und den SUV zu verbieten. Es wird vereinfacht, was nicht zu vereinfachen ist, weil es an sich vor Missinformation, Hass, mangelnder Solidarität nur so strotzt. Denn immerhin geht es, wenn man schon nicht an die Diversität der Flora und Fauna denken will, um nacktes Überleben der menschlichen Spezies – und das eigene Überleben sollte diesen Menschen, die sich und ihren eigenen Wünschen am nächsten stehen, doch wichtig sein, oder?

Durch die sozialen Medien und das Internet eröffnen sich Möglichkeiten, die früher als Sticker, Graffiti, Plakate oder Anstecker viel durchdringender in der Gesellschaft diffundieren zu lassen. Als Statement-Beiträge werden sie auf Twitter, Instagram, Facebook und Co. geteilt und entwickelt ein Eigenleben, lassen sich nie mehr löschen, nie mehr entfernen, denn irgendwo findet sich immer jemand, der diese Botschaft für teilenswert hält.

Vor allem durch Querdenker-Protestbewegungen sind neue Wellen zweifelhafter Sticker über uns gespült worden, die allesamt Schaden für unsere Demokratie bedeuten, denn sie sehen sich als eine Instanz der Minderheit, die aber für die Mehrheit spricht, denkt und handelt – gegen das Allgemeinwohl, das sie angeblich beschützen wollen. Während sie für Freiheit und Demokratie demonstrieren, verstehen sie nicht, dass die Eigene Freiheit, seine Maske nicht zu tragen, dort endet, wo da Infektionsrisiko, also die körperliche Unversehrtheit des anderen beginnt.

Manche QuerdenkerInnen benutzen Symbole und Schlagwörter von rechts, um den Faschismus der „Merkel-Diktatur“ herauszustellen. Und das, während die Grenzen zwischen Querdenkertum und dem rechten Spektrum teils verschwimmen, sei es durch offenes Tragen einer Reichsbürgerflagge oder durch fehlende Abgrenzung zu Trittbrettfahrern auf den Demonstrationen, die im Grunde die Regierung vollständig missachten – eine Gemeinsamkeit, die die Nähe dieser beiden Strömungen erklärt.

Auch wenn die Aufkleber keine Sofort-Gehirnwäsche mit sich ziehen, so ist auch fahrlässige Ignoranz schadenbringend. Wer nicht hinschaut, der ist Teil des Problems. Solidarität, Freiheit und Gerechtigkeit sind wertvolle Güter, die es zu schützen gilt. Unsere Demokratie und wie gut es uns darin geht ist nicht selbstverständlich und es muss aktiv für den Erhalt gekämpft werden – das geht nicht, indem man die Augen vor den Problemen verschließt.

Und deswegen: halten Sie Ausschau nach den giftigen Parolen und entfernen Sie sie und trauen Sie sich, für die Demokratie und alle ihre Werte einzustehen.

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Kategorien: Text

Charlotte Kalmes

Schülerin der 12. Klasse am GSG mit einer Schwäche für Literatur, Geschichte, Politik, Katzen und Sport. Engagiert, mit überzeugenden Projekten zumindest ein klitzekleines Bisschen zu bewegen. :)