Vom 16.10.2021 bis zum 20.10.2021 war ich, zusammen mit meinem Bruder und ein paar anderen Jugendlichen und unseren beiden Betreuern, in München unterwegs, um uns verschiedene wichtige Orte zur NS-Zeit anzuschauen und mehr über diese einzelnen Orte zu lernen, sei es bei der Stadtrundführung, im Dokumentationszentrum oder in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Am ersten Tag nach der Zugfahrt und dem Ankommen in unserer Unterkunft sind wir erst einmal beim gemütlichen Abendessen und Zusammensein ins Gespräch gekommen und haben uns besser kennengelernt und uns über die uns bevorstehenden Tage und Themen ausgetauscht.

Am zweiten Tag ging es dann nach dem Frühstück und einem kurzen Spaziergang durch die Stadt zum NS-Dokumentationszentrum, wo wir eine dreistündige Führung durch die Ausstellung, aber vor allem auch durch die Stadt in der näheren Umgebung hatten.

Zunächst ging es für uns jedoch mit unserem Guide auf den Vorplatz des Gebäudes des Dokumentationszentrums, welches früher die Zentrale der NSDAP, das „braune Führerhaus“, war. Bereits hier wurde uns klar, wie sehr unser Guide uns das Thema und seine Wichtigkeit näherbringen konnte. Dies war einerseits natürlich nicht leicht, da man so auch emotional stärker getroffen wird, aber trotzdem sehr informativ, da man einen guten Einblick in das München, aber auch Deutschland, zur Zeit Hitlers bekam.

Danach ging es dann weiter über den Karolinenplatz, die Brienner Straße entlang und am heutigen Gebäude der bayrischen Landesbank vorbei, bis zum „Platz der Opfer des Nationalsozialismus“. Besonders beeindruckend war hier, dass die Landesbank im ehemaligen Dienstgebäude der GeStaPo ist und man hier heute noch kostenlos eine Ausstellung besichtigen kann, in der dargestellt wird, wie die Gefangenen damals unter Folter und Qualen der GeStaPo-Verhöre litten.

Am Platz der NS-Opfer kann man heute ein Denkmal anschauen, welches ein ewig brennendes Licht hinter einem schwarzen „Gitterkäfig“ zeigt. Dies symbolisiert, so unser Guide, den Zusammenhalt und die Solidarität bzw. Menschlichkeit unter den Gefangenen selbst und dass deren Hoffnung auch in noch so finsteren und schrecklichen Verhältnissen und in der Gefangenschaft nicht stirbt. Eine besonders interessante Anekdote hier erzählte uns unser Guide auch noch: Vor etwas längerer Zeit hat man das Licht nachts ausgestellt, was gleichzeitig, offiziell unbeabsichtigt, die Schrecklichkeit und Hoffnungslosigkeit in der Nacht symbolisierte, da hier die meisten Menschen starben.

All diese Erzählungen unseres Guides haben uns zum Nachdenken gebracht und die anschließende Führung durch die Ausstellung, abschließend mit dem nur knapp gescheiterten Mordversuchs von Georg Elser an Hitler, haben uns dann noch einmal alle sehr bewegt und nach den doch etwas mehr als drei Stunden waren wir emotional sehr erschöpft, da man das Ganze ja doch auch erst einmal verdauen musste.

Am nächsten Tag gingen wir dann in die Gedenkstätte „Weiße Rose“ in der Ludwig-Maximilians-Universität. Dort hat uns die Frau, welche uns durch die Ausstellung führte, sehr anschaulich die Geschichte der weißen Rose, also vor allem der Geschwister Scholl, aber auch der anderen Mitglieder wie Willi Graf und der zahlreichen Helfer und Unterstützer, näher gebracht.

Hier war auch ganz klar ein Highlight, dass man sich die Flugblätter alle ansehen und durchlesen konnte und auch reichlich Informationsmaterial zur Idee, Entstehung, Herstellung, Vervielfältigung und Verteilung der Flugblätter, was alles anstrengende und mühsame Handarbeit war, finden konnte. Ein anderes, auch für mich ganz spezielles Highlight, war der abschließende Rundgang durch die Universität und der Abschluss an dem Ort, ganz oben in der Universität, an dem Sophie Scholl den letzten Stoß Flugblätter von dem Geländer stieß, wobei sie dann am Ende vom Hausmeister beobachtet, festgenommen und an die GeStaPo übergeben wurde und dann auch innerhalb weniger Tage verurteilt und hingerichtet wurde. Auch hier hatten wir eine sehr anschauliche Führung und waren wieder bedrückt durch die schlimmen Umstände zur NS-Zeit.

Am Dienstag, dem letzten „richtigen“ Tag für uns in München, ging es dann zur Konzentrationslager-Gedenkstätte nach Dachau. Das war ein sehr interessanter und prägender Tag für uns alle. Wir waren nicht die einzige Gruppe (junger) Menschen, die sich diese Gedenkstätte anschauen wollten, sondern eher im Gegenteil. Es waren mehrere (vermutlich) Schulklassen da, die sich vor dem Besucherzentrum sammelten, um mit ihren jeweiligen Guides oder auch alleine über das Gelände zu gehen.

Nach der Anmeldung und Registrierung und einem kurzen Besuch in der Buchhandlung ging es dann auch für uns „hinter den Eingangsbereich“ durch das gleiche Tor wie für die damals dort Inhaftierten auf den großen Appellplatz. Von dort aus gingen wir sozusagen eine Runde über das Gelände: Zunächst gingen wir an dem Eingangs- bzw. „Empfangs“-Gebäude für die Gefangenen vorbei, da man dort momentan nur allein ohne Gruppe rein darf. Wir sind natürlich im Nachhinein nach der Führung in das Gebäude hinein und haben uns die Ausstellung, aber auch das Gebäude an sich angeschaut.

Nach der Erzählung über das Ankommen und die Klarmachung der entzogenen Rechte durch die Soldaten und Nazis gingen wir weiter zu den Zellen, in denen Inhaftierte in Isolationshaft als Strafe nach einem Verstoß gegen die Lagerordnung festgehalten wurden und menschenunwürdig behandelt wurden. Unser Guide erklärte uns auch, dass nach den Anfangsjahren des KZs verschieden farbige Stofffetzen an die „Uniform“ genäht wurden, sodass klar wurde, ob ein Mensch Jude war oder zu den Sinti und Roma zählte oder zu einer anderen Gruppierung gehörte. Eine für uns heute sehr abwegige Vorstellung.

Nachdem wir uns die Zellen (leider nur von außen), u.a. die von Georg Elser, der als Schreiner „benutzt“ wurde und nur deshalb eine etwas größere Zelle hatte, angeschaut hatten, gingen wir einmal quer über den Appellplatz und durch eine große Allee vorbei an den Lagerstraßen, die damals zwischen den Baracken, in denen die Gefangenen lebten, lagen. In diesen Baracken gab es vier Stuben, in denen in der Regel bis zu 50 Menschen gleichzeitig hausten. Eine Baracke war jedoch nur ca. 6 Meter breit und ca. 50 Meter lang, also 300 Quadratmeter groß.

Abschließend gingen wir noch zum Krematorium und schauten uns an, wie die Gefangenen dort in als Duschräume oder Badeanstalten getarnten Räume vergast oder verbrannt wurden, was uns verständlicherweise nochmal auf eine etwas andere Art und Weise wie die Erzählungen oder Geschichten oder auch das Behandeln des Themas im Schulunterricht mitgenommen hat und wir danach sehr bedrückt und emotional angegriffen waren.

Der ganze Besuch dort ging uns sehr nahe und wir haben uns danach echt gefragt, wie es jemals zu so einer schrecklichen Zeit kommen konnte und wie die Nazis auf solche Ideen kamen. Auch der abschließende Besuch der Versöhnungskirche auf dem Gelände konnte uns nur wenig wieder aus dieser „Verzweiflung“ und Trauer befreien. Allerdings haben wir uns dann alle zusammen auf dem Rückweg nochmal darüber ausgetauscht. Dieser gemeinsame Austausch half uns, das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten.

Abschließend würde ich diese Fahrt als sehr informativ, beeindruckend und spannend beschreiben, da wir viele ganz besondere Eindrücke mitnehmen konnten. Die Fahrt hat sich sehr gelohnt und ich finde, man sollte sich auf jeden Fall den ein oder anderen auch geschichtlich interessanten Ort mal anschauen, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Nur durch den Besuch solcher historischer Orte bekommt man ansatzweise ein Bild dieser Zeit.

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