Dieser Beitrag wurde von Marie Kartes verfasst. Sie ist eine ehemalige Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums.


Bald jährt sich der Abschluss des Abiturjahrganges 2020 zum zweiten Mal. Manche der ehemaligen Schüler*innen entschieden sich für ein Studium an einer Universität, andere schlugen den beruflichen Weg durch eine Ausbildung ein. Egal für welchen Weg man sich entschloss, fest steht, dass sich jetzt jeder dieser ehemaligen Schüler*innen in einem neuen Lebensabschnitt befindet. In dieser Phase sieht man sich nun mit anderen Aufgaben und Herausforderungen als zur Schulzeit konfrontiert. Doch egal wie sehr diese die Aufmerksamkeit des Einzelnen einfordern, so bleibt dennoch gelegentlich Zeit an die vergangene Schulzeit als Schüler*in des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zu denken. So ist es bei vielen die Erinnerung an geschriebene Klausuren, die ein Gefühl von Erleichterung auslöst, da diese überstanden sind. Bei anderen ist es der Gedanke an gemeinsam verbrachte Freistunden, welche einen schmunzeln lässt. Auch die beliebten Schulfeste von Frühjahrskonzert, bis zum Tag der offenen Tür bleiben fest in den Köpfen verankert.

Besonders sticht jedoch der Verlauf der letzten Wochen in der Oberstufe heraus. Geplant war die traditionelle Mottowoche, in der das Abimotto „Die goldenen Zwanziger“ Platz finden sollte. Doch Corona hatte letztlich andere Pläne. So musste durch die veranlasste Schulschließung unsere Mottowoche ausfallen. Auch der letzte vorbereitende Unterricht auf die bevorstehenden Prüfungen verlief sowohl für die Lehrkräfte als auch für uns Schüler*innen ungewohnt. Es war das erste Mal, dass wir mit Masken die Schule betraten und nicht wie gewohnt einen direkten Sitznachbarn hatten. Stattdessen fanden wir unsere Tische mit Sicherheitsabstand voneinander getrennt vor. Vor allem bedrückte die Abschlussfeier, die sich nicht nach einem richtigen Abschluss anfühlte. Die reduzierte Abiturfeier am 03.07.2020 führte dazu, dass man sich nicht von allen Mitschülern oder Lehrern offiziell verabschieden konnte, da diese in drei Gruppen eingeteilt wurden. Geplante Programmeinlagen konnten in der Überzahl leider ebenfalls nicht stattfinden. Dennoch wurde das Bestmögliche getan, um die Übergabe der Abiturzeugnisse im Kulturzentrum „Big Eppel“ festlich zu gestalten.

In diesem Sinne wünsche ich den nun nachfolgenden Abiturienten*innen viel Erfolg bei den bevorstehenden Prüfungen und eine Abifeier, an die sie sich mit Freude erinnern werden!

In Bezug auf den eigenen Bildungsabschluss gibt die aktuelle politische Situation Anlass über das Schicksal heranwachsender Ukrainer*innen nachzudenken. Um die „Qual der Wahl“, die sich uns vor zwei Jahren bei der Berufsentscheidung stellte, wurden die heranwachsenden Jugendlichen in der Ukraine beraubt.  Besonders bei den volljährigen Ukrainern stellt sich momentan nicht die Wahl nach Beruf, sondern die Pflicht zur Verteidigung ein. Anstelle des Abitursmokings sehen diese sich in staatlicher Militäruniform. Ob sie in absehbarer Zeit die Chance haben ihren Lebensabschnitt nach abgeschlossener Schule frei zu entfalten, daran gilt es zu zweifeln. Wird dies in der Ukraine dann überhaupt noch möglich sein? Anstelle von überlagerten Schreibtischen mit Lernmaterialien zeichnet sich ihre Umgebung durch zerstörte Häuser und menschenlose Gebiete aus. Anstatt zu Stift und Papier, greifen diese nach Waffen, um sich und ihr Land gegen die russischen Streitkräfte zu verteidigen. Als Appell an die Menschlichkeit wäre es von enormer Bedeutung, diesen Heranwachsenden die Chance auf eine unbeschwerte Zukunft zu bieten; vergleichbar wie es uns vor zwei Jahren möglich war. Sie sollten eine frei wählbare Alternative zu der Wehrpflicht haben und nicht um ihr Leben und das ihrer Angehörigen bangen müssen. Wie dankbar darf man folglich sein, die Gelegenheit zu haben sich „nur“ auf seinen Schulabschluss und nicht auf den Fortbestand des Heimatlandes konzentrieren zu können? Alle Aufregungen und Stressmomente, die mit dem Abitur in Verbindung stehen, verlieren im  Anblick ukrainischer Umstände an Bedeutung. Global betrachtet ist es wichtig als politisches Ziel nicht die Vermeidung von Konflikten anzustreben, denn Frieden bedeutet nicht die Abwesenheit von Konflikten. Differenzen wird es immer geben. Frieden bedeutet diese Differenzen durch friedliche Mittel zu lösen, durch Dialog, Bildung, Wissen und auf menschliche Art und Weise!

Quelle Titelbild: manhhai. Russia Ukraine War – Day 42: Rows of body bags in Ukraine’s Bucha. Flickr. Creative Commons BY 2.0

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